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Tag Archives: Literatur

Theodor Fontane: John Maynard

  • By zitate
  • Juni-11-2025
  • Alltag, Aufopferung, Ballade, gutezitate.net, Heldentum, Humanismus, Literatur, Schifffahrt, Theodor Fontane, zitat, Zitate
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„John Maynard!
„Wer ist John Maynard?“
„John Maynard war unser Steuermann,
Aushielt er bis er das Ufer gewann,
Er hat uns gerettet, er trägt die Kron’,
Er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
John Maynard.“
.
Die „Schwalbe“ fliegt über den Erie-See,
Gischt schäumt um den Bug wie Flocken von Schnee,
Von Detroit fliegt sie nach Buffalo –
Die Herzen aber sind frei und froh,
Und die Passagiere, mit Kindern und Frau’n
Im Dämmerlicht schon das Ufer schau’n
Und plaudernd an John Maynard heran
Tritt alles: „Wie weit noch, Steuermann?
Der schaut nach vorn und schaut in die Rund’:
„Noch dreißig Minuten … Halbe Stund’.“
..
Alle Herzen sind froh, alle Herzen sind frei –
Da klingt’s aus dem Schiffsraum her wie Schrei,
„Feuer“ war es, was da klang,
Ein Qualm aus Kajütt’ und Luke drang,
Ein Qualm, dann Flammen lichterloh,
Und noch zwanzig Minuten bis Buffalo.
.
Und die Passagiere, buntgemengt,
Am Bugspriet stehn sie zusammengedrängt,
Am Bugspriet vorn ist noch Luft und Licht,
Am Steuer aber lagert sich’s dicht,
Und ein Jammern wird laut: „Wo sind wir? wo?“
Und noch fünfzehn Minuten bis Buffalo,
.
Der Zugwind wächst, doch die Qualmwolke steht,
Der Kapitän nach dem Steuer späht,
Er sieht nicht mehr seinen Steuermann,
Aber durchs Sprachrohr fragt er an:
„Noch da, John Maynard?“
 .
„Ja, Herr. Ich bin.“
„Auf den Strand. In die Brandung.“
„Ich halte drauf hin.“
Und das Schiffsvolk jubelt: „Halt aus. Halloh.“
Und noch zehn Minuten bis Buffalo.
„Noch da, John Maynard?“ Und Antwort schallt’s
Mit ersterbender Stimme: „Ja, Herr, ich halt’s“
Und in die Brandung, was Klippe was Stein,
Jagt er die „Schwalbe“ mitten hinein,
Soll Rettung kommen, so kommt sie nur so.
Rettung: der Strand von Buffalo.
.
Das Schiff geborsten. Das Feuer verschweelt.
Gerettet alle. Nur Einer fehlt!
.
Alle Glocken gehn; ihre Töne schwell’n
Himmelan aus Kirchen und Kapell’n,
Ein Klingen und Läuten, sonst schweigt die Stadt,
Ein Dienst nur, den sie heute hat:
Zehntausend folgen oder mehr
Und kein Aug’ im Zuge, das thränenleer.
.
Sie lassen den Sarg in Blumen hinab,
Mit Blumen schließen sie das Grab,
Und mit goldner Schrift in den Marmorstein
Schreibt die Stadt ihren Dankspruch ein:
„Hier ruht John Maynard. In Qualm und Brand,
Hielt er das Steuer fest in der Hand,
Er hat uns gerettet, er trägt die Kron’,
Er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
John Maynard.“

Theodor Fontane

Art: Ballade Themen: Alltag, Seife, Aufopferung, Schifffahrt Quelle:
Wikisource.org
Hintergrund

 

Zum Autor: Theodor Fontane (1819–1898) war ein bedeutender deutscher Schriftsteller und Journalist. Er ist vor allem bekannt für seine Romane wie „Effi Briest“, aber auch seine Balladen gehören zum literarischen Werk. „John Maynard“ wurde 1886 veröffentlicht und erzählt die fiktive Geschichte eines amerikanischen Steuermanns, der sein Leben opfert, um die Passagiere eines brennenden Schiffs zu retten. Inspiriert wurde Fontane von einer wahren Begebenheit auf dem Eriesee, die er poetisch und dramatisch überhöht darstellt.
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Interpretation: „John Maynard“ steht exemplarisch für das Ideal eines selbstlosen Helden. Der Steuermann opfert sich, um die Passagiere des brennenden Schiffs zu retten – ohne Zögern, ohne Angst, mit klarem Sinn für Verantwortung. Die Spannung wird durch die zeitliche Staffelung bis zum Finale gesteigert, wodurch die Dramatik intensiv herüberkommt. Fontane verleiht der Figur eine fast mythische Dimension: John Maynard stirbt im Dienst an der Gemeinschaft, seine Tat wird zur Legende. Gleichzeitig ist die Ballade sprachlich schlicht gehalten – wohl auch um für die „einfachen Menschen“ wie ihn, der besungen wird, zu sprechen.
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Im Kontext der Zeit: Die Ballade entstand im Deutschen Kaiserreich, einer Epoche, in der Pflichterfüllung, Disziplin und Loyalität hochgehalten wurden. Fontanes Werk passt gut in dieses Weltbild, doch es geht über bloßen Patriotismus hinaus. „John Maynard“ spielt bewusst in Amerika – Fontane war zwar kritisch gegenüber nationalistischem Pathos, suchte aber universelle Werte, die über Grenzen hinweg gelten. Die Heldengeschichte ist dabei auch als Gegenentwurf zur egoistischen Moderne lesbar: Bei ihm steht das Individuum im Dienst der Gemeinschaft. Diese Idee hatte besonders im aufkommenden bürgerlichen Selbstverständnis des späten 19. Jahrhunderts große Strahlkraft. Bis heute bleibt die Ballade aktuell – vor allem wegen der klaren und erfassenden Sprache und humanistischen Grundaussage.

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Fehlfarben: Einkaufsbummel im Erdnußland

  • By zitate
  • Juni-4-2025
  • Bonmot, Fehlfarben, gutezitate.net, Imperialismus, Neoimperialismus, zitat, Zitat aus Liedtext, Zitate
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„Einkaufsbummel im Erdnußland,
was übrigbleibt, wird Entwicklungshilfe genannt.“

Fehlfarben (Band)

Art:
Zitat aus Liedtext.
Thema: Bonmot
Quelle: Musikguru.de „Ernstfall“ vom Album Monarchie und Alltag (1980).
Hintergrund

Zur Band: Fehlfarben ist eine deutsche Band, die Anfang der 1980er Jahre mit ihrem Debütalbum „Monarchie und Alltag“ als intellektueller Teil der Neuen Deutschen Welle galt – im Gegensatz zur spaßkulturellen Oberflächlichkeit dieser Musikrichtung. Die Band verbindet Punk mit gesellschaftspolitischer Reflektion. Der zitierte Vers stammt aus dem Lied „Ernstfall“ und verdichtet in wenigen Worten die Kritik an Kapitalismus, Neolkolonialismus und Kalten-Kriegs-Militarismus – typische Kritikpunkte der Band.

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Interpretation: Die Zeile ist ein scharfzüngiger Kommentar auf westliche  neokoloniale Ausbeutungsmuster. Das. „Erdnußland“ steht hier sinnbildlich für ausgebeutete Entwicklungsländer, deren Rohstoffe und Arbeitskraft dem globalen Norden zugutekommen. Der Begriff „Einkaufsbummel“ unterstreicht die Ignoranz und Dreistigkeit, mit der diese Ausbeutung geschieht. Was „übrigbleibt“, dann als „Entwicklungshilfe“ zurückgegeben wird, ist ein zynischer Kommentar bezüglich der angeblich altruistischen Hilfsmaßnahmen als Feigenblatt für ein System schreiender Ungerechtigkeit.

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Im Kontext der Zeit: Die Kritik an globaler Ungleichheit war besonders in den 1980er- und 1990er-Jahren ein zentrales Thema politisch bewusster Künstler*innen. Während wirtschaftliche Verflechtungen und westliche Konsumgewohnheiten zunahmen, wuchs auch die Sensibilität für die Schattenseiten der Globalisierung.

Solche Kritik wurde aber auch seit den 2000er-Jahren etwa im Kontext der Entstehung der Bewegung ATTAC in den Mittelpunkt gestellt. Und heute steht etwa die Kritik an oligarchischen Strukturen im westlichen Kapitalismus im Vordergrund (Stichwort monopolistische US-Konzerne, mit Mogulen an der Spitze, mit weit reichendem Einfluß in die Politik hinein. Die globale Ungerechtigkeit hat sich im weltweiten Wirtschaftssystem seit den 1980er-Jahren noch weiter vertieft.
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Adorno zum „Ich“

  • By zitate
  • Mai-30-2025
  • Bonmot, Frankfurter Schule, gutezitate.net, Ich, Literatur, Theodor W. Adorno, zitat, Zitat aus Sachbuch, Zitate
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„Bei vielen Menschen ist es bereits eine Unverschämtheit, wenn sie Ich sagen. “

Theodor W. Adorno

Art:
Zitat aus Sachbuch
Thema: Bonmot
Quelle: Minima Moralia

Zum Autor: Theodor W. Adorno war ein bedeutender deutscher Philosoph, Soziologe und Musikwissenschaftler des 20. Jahrhunderts. Er war ein führendes Mitglied der Frankfurter Schule und entwickelte zusammen mit anderen Theoretikern der Kritischen Theorie tiefgehende Analysen zum aktuellen Zustand von Gesellschaft, Kultur(industrie) und etwa dem „Autoritären Charakter“ vieler Menschen in diesen Gesellschaften. Adorno war bekannt für seine scharfe Kritik an der Ökonomisierung des Menschen in dieser modernen Welt und seiner Entfremdung von sich selbst. Besonders wichtig war ihm die Reflexion über das Verhältnis von Erinnerung, Geschichte und gesellschaftlicher Entwicklung.
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Abraham a Sancta Clara: Der Mensch ist ein Schaum

  • By zitate
  • Mai-17-2025
  • Abraham a Sancta Clara, Barock, Bonmot, Gedichte, gutezitate.net, zitat, Zitate
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„Der Mensch ist ein Schaum, der bald abfließt,
Eine Blum, die bald absprießt.
Der Mensch ist ein Fluß, der bald abrinnt,
Ein Kerzen, die bald abbrinnt.
Der Mensch ist ein Glas, das bald zerbricht,
Ein Traum, der haltet nicht.
Der Mensch ist bald hübsch und rot,
Auch bald darauf bleich und tot.
Der Mensch ist ein kurzer Lautenklang,
Aber auch bald Sterbegesang.
Der Mensch ist alles Unglücks Spiel
Und aller Not gemeinsam Ziel.“

Abraham a Sancta Clara

Art:
Gedicht
Thema: Leben, Tod, Mensch, Humor
Quelle: Planetlyrik.de
(nach 1680)
Hintergrund


Zum Autor:
Der österreichische Prediger und Schriftsteller Abraham a Sancta Clara (1644–1709), auch bekannt als Johann Ulrich Megerle, stammte aus Österreich. Er diente am kaiserlichen Hof in Wien als katholischer Geistlicher und erlangte Bekanntheit durch seine drastische Sprache und volkstümliche Rhetorik. Um moralische Botschaften zu vermitteln, verwendete er Humor, Ironie und Übertreibung – häufig begleitet von starken Darstellungen von Tod, Vergänglichkeit und menschlicher Torheit. Seine Schriften, vor allem Predigten in poetischer Form, waren für ein breites Publikum konzipiert und verknüpften Frömmigkeit mit Kritik an der Gesellschaft..

Interpretation: Dieses Gedicht präsentiert eine Darstellung der Vergänglichkeit des Menschen. Der Mensch ist wie ein Schaum, eine Blume, etc. – alles vergängliche und zerbrechliche Phänomene. Jeder Vers erhöht die Vergänglichkeit des Lebens – es vergeht alles Schöne, und der Mensch macht dabei keine Ausnahme. Die Sprache ist unkompliziert, eindrucksvoll, hat einen deutlichen Rhythmus und betont die Grundaussage durch Wiederholungen. Das Ganze erscheint jedoch auf eine morbide Weise auch bewusst oder unfreiwillig komisch.

Im Kontext der Zeit: Das Gedicht wurde im späten 17. Jahrhundert verfasst. Diese Zeit war geprägt von Kriegen, Seuchen (wie der Pest), Naturkatastrophen und politischer Instabilität. Die Auseinandersetzung mit dem Tod und der Vergänglichkeit war in diesem sozialen Umfeld nicht unüblich, sondern war ein integraler Bestandteil der religiösen und weltlichen Kommunikation. Die Darstellung der vermeintlichen Nichtigkeit des Irdischen war eine der verschiedenen Formen dieses Motivs, das in der Barockliteratur verwendet wurde. Abraham a Sancta Clara gehörte zu den bedeutenden Schriftsteller*innen dieser Gattung. Seine Texte waren religiöse Aufforderung und soziale Diagnose. Er versuchte, durch drastische Metaphern eine Leitlinie für das Leben zu schaffen – nicht durch Verklärung, sondern durch einen schonungslosen Umgang mit der Endlichkeit des Menschen. Dieses Gedicht veranschaulicht die barocke Weltanschauung: das Leben als Spielball des Schicksals, der Mensch als Ziel aller Schwierigkeiten – und der Tod als einzige Gewissheit.

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Die Sterne: Das bisschen besser

  • By zitate
  • Mai-13-2025
  • Alternative/Independent, Bonmot, Die Sterne, gutezitate.net, Hamburger Schule, zitat, Zitat aus Liedtext, Zitate
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„Es hat keinen Sinn zu warten bis es besser wird;
das bisschen besser wär das Warten nicht wert.“

Die Sterne (Band)

Art:  Zitat aus Liedtext.

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Thema: Bonmot, Alternative/Independent

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Quelle: „Das bisschen besser“, (Album: Wo ist hier, 1999)

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Hintergrund

Zur Band: Die Sterne gelten als eine der wesentlichen Musikgruppen der „Hamburger Schule“ – einem musikalisch-literarischen Stil, der in den 1990ern entstand und Indie/Alternative-Rock mit gesellschaftskritischem Anspruch verband.

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Tags:

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Die Goldenen Zitronen: Das Comeback des Tempomat

  • By zitate
  • Mai-8-2025
  • Bonmot, Die Goldenen Zitronen, gutezitate.net, Neoliberalismus, Punk, zitat, Zitat aus Liedtext, Zitate
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„Ich weiß nicht, warum uns kaum jemand hasst
Uns Worldwide-Dot-Com-Popper aus den Mitten der neuen Stadt
Wir sind das Comeback des Tempomat
Der seinerzeit noch als Feindbild galt
Wir sind Netzpiloten. Webmatrosen.
Start-Up-Lotsen. Mobile Kickboardboten
Wir sind globalweit online virtual
Wie’s Weltmenschheit sonst so ergeht, ist uns scheißegal
No way, greifbar, immer erreichbar
Der Kampf geht weiter, Börsengang noch in diesem Jahr
Wir sind Netzpiloten. Webmatrosen.
Loft Chaoten. Solide Vollnarkosen.“

Die Goldenen Zitronen (Band)

Art:
Zitat aus Liedtext
Thema: Bonmot
Quelle: („Das Comeback des Tempomat“, Album: Schafott zum Fahrstuhl (2001)
Hintergrund

Zur Band: Die Goldenen Zitronen sind eine deutsche Punkband, die sich seit den 1980ern mit Radikalität und Ironie gegen politische Konventionen, neoliberale Verheißungen und die Kulturindustrie positioniert. Sie setzt dabei auf Sprachexperimente mit Gesellschaftskritik. Das Zitat stammt aus dem Lied „Das Comeback des Tempomat“, erschienen 2001, mitten in der Hochphase der „New-Economy“, der Aktien- und Internet-Euphorie.

Interpretation: Die Textzeilen sind eine ironisch-satirische Abrechnung mit der damals aufkommenden Internet-Start-Up-Kultur in den Großstädten des Landes. Begriffe wie „Netzpiloten“, „Webmatrosen“ oder „Kickboardboten“ machen sich über die selbstverliebte Terminologie der Dotcom-Blase lustig, die auch von den Medien in einer solchen bewundernden Art häufig gebraucht wurden. Mit „solide Vollnarkosen“ ist wohl gemeint, dass sich diese selbsternannte Tech-Elite von gesellschaftlichen Realitäten abkoppelt. Die digitale Avantgarde interessiert sich nur für Märkte, nicht für Menschen. Der Tempomat ist eine Elektronik in PKW, die dafür sorgt, dass das Auto automatisch in stets derselben Geschwindigkeit fährt. Damit steht auch der Tempomat für die Entmenschlichung von Gesellschaft und die Startup-Apologeten gewissermaßen als Roboter des fortwährend voranschreitenden vermeintlichen „Fortschritts“.

Im Kontext der Zeit: Anfang der 2000er platzte die Dotcom-Blase – ein passender Moment für gesellschaftskritische Künstler wie Die Goldenen Zitronen, den Mythos vom digitalen Fortschritt als Heilsversprechen frontal anzugreifen. Während viele in der „New Economy“ nur Chancen sahen, deckt dieser Text deren soziale Kälte und Arroganz auf.
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Tags:

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Leonard Cohen: Seine letzten Worte auf seinem letzten Album

  • By zitate
  • Mai-5-2025
  • Existenzialismus, gutezitate.net, Leonard Cohen, Letzte Worte, Literatur, Tod, zitat, Zitat aus Liedtext, Zitate
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„They whisper still, the injured stones
The blunted mountains weep
As he died to make men holy
Let us die to make things cheap
And the Mea Culpa, which you gradually forgot
Year by year, month by month, day by day
Thought by thought“

Leonard Cohen

Art:
Zitat aus Liedtext
Themen: Letzte Worte, Abschied, Existenzialismus
Quelle:
„Steer Your Way“ (Album: You Want It Darker, 2016)

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Hintergrund

Übersetzung: „Sie flüstern noch, die verletzten Steine
Die abgestumpften Berge weinen
Wie er starb, um die Menschen heilig zu machen
Lass uns sterben, um die Dinge billig zu machen
Und das Mea Culpa, das du allmählich vergessen hast
Jahr für Jahr, Monat für Monat, Tag für Tag
Gedanke für Gedanke“
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Zum Künstler: Der kanadische Sänger Leonard Cohen zählte zu den bedeutendsten Sängern und Songwritern des 20. Seine tiefgründigen, melancholischen Texte haben dem Musiker, Dichter und Romanautor Bekanntheit eingebracht. Seine Arbeiten enthalten häufig biblische, mystische, politische, persönliche und Erinnerungsmotive. Mit seinem besonderen Stil, der zwischen Gebet, Gedichten und Gesang liegt. Da Cohens Texte existenzielle Fragen und moralische Dilemmata auf eine zeitlose Weise behandeln, behalten sie auch nach seinem Tod ihre Aktualität.

Interpretation: Dieser Abschnitt beschäftigt sich mit religiöser Symbolik, möglicherweise mit moralischem Niedergang oder einer Kritik am Kapitalismus. Eine bittere Umkehrung der christlichen Opferlogik ist die Zeile „As he died to make men holy/Let us die to make things cheap“, in der der Tod nicht mehr mit Erlösung, sondern mit Konsum assoziiert wird. Oder der Tod, um das Sozialsystem zu entlasten (?). Möglicherweise weisen die „verletzten Steine“ und „weinenden Berge“ auf menschliche Schuld und die Zerstörung der Natur hin. Das dauerhafte Erbe der Menschen, das möglicherweise über die Vergänglichkeit der Lebewesen hinausgeht (die ja auch unter der Zerstörung leiden). Seine Entschuldigung („Mea Culpa“) folgt daher im Namen der Menschheit und ihrer schwindenden Erinnerung oder wachsenden Gleichgültigkeit und moralischen Abstumpfung – oder genauer gesagt Gleichgültigkeit im Hinblick auf die Zerstörung.
Das sind die letzten Zeilen des letzten Songs von Leonard Cohens letztem Album. Sie verdeutlichen auch, in welcher Weise er in seinen Texten die Existenz der Erde und der Menschheit mit seiner eigenen Existenz verwebt.

Im Kontext der Zeit: Leonard Cohen schrieb viele seiner politisch und gesellschaftskritisch aufgeladenen Texte in den 1970er- und 80er-Jahren – einer Zeit gesellschaftlicher Umbrüche, wachsender Entfremdung und sich verschärfender kapitalistischer Strukturen. Die Kritik an Materialismus und spiritueller Leere ist besonders im westlichen Nachkriegskontext relevant. Cohens Werke reflektieren die Desillusionierung einer Generation, die in einem säkularen Zeitalter nach Sinn sucht. Auch heute wirkt diese Passage wie ein Kommentar zu einer Welt, in der ethische Werte zunehmend durch ökonomische Interessen ersetzt werden.
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Albert Camus: Zum Thema Krieg

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  • Mai-4-2025
  • Albert Camus, Bonmot, gutezitate.net, Krieg, Literatur, zitat, Zitat aus Literatur, Zitate
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„Wenn ein Krieg ausbricht, sagen die Leute:
«Er kann nicht lange dauern, es ist zu unsinnig.»
Und ohne Zweifel ist ein Krieg wirklich zu unsinnig,
aber das hindert ihn nicht daran, lange zu dauern“

Albert Camus

Art:
Zitat aus Literatur
Thema: Bonmot
Quelle:
Die Pest
Hintergrund

 

Zum Autor: Albert Camus (1913–1960) war ein französischer Schriftsteller, Philosoph und Journalist, der zu den wichtigsten Intellektuellen des 20. Jahrhunderts zählt. Er wurde in Algerien geboren, das damals eine französische Kolonie war, und setzte sich zeitlebens mit Themen wie Sinnsuche und menschlicher Freiheit auseinander. Camus gilt als Mitbegründer des Existenzialismus, obwohl er sich selbst davon distanzierte und lieber vom „Absurdismus“ sprach. 1942 veröffentlichte er sein berühmtes Werk „Der Fremde“ und 1947 den Roman „Die Pest“, aus dem dieser Auszug stammt. Für sein Gesamtwerk erhielt Camus 1957 den Nobelpreis für Literatur.
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Interpretation: Camus bringt in seinem Zitat einen Umstand in Bezug auf den Krieg ins Bewusstsein, den viele Menschen nicht an sich heranlassen wollen: Die Menschen klammern sich häufig an die Hoffnung, dass etwas so „unlogisches“ wie ein Krieg nicht von Dauer sein könne. Die Liste der Kriege, die im Verlauf der Menschheitsgeschichte geführt wurden, zeigt aber, dass sie meist mehrere Jahre dauern. Der Satz stellt eine ernüchternde Diagnose menschlicher Naivität, Selbsttäuschung und kollektiver Verdrängung dar. Obwohl der Krieg offensichtlich zerstörerisch und somit wenig konstruktiv ist, dauert er ggf. lange, weil die Welt und die Handlungen der Menschen nicht durch Vernunft allein gesteuert werden. Camus zeigt damit die Spannung zwischen dem Wunsch nach Ordnung und Sinn und der chaotischen Realität menschlichen Handelns.
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Im Kontext der Zeit: Das Zitat ist vor dem Hintergrund der beiden Weltkriege zu verstehen, deren Gräuel Camus journalistisch und literarisch aufarbeitete. Es verweist auf die Erfahrung einer Generation, die geglaubt hatte, der Erste Weltkrieg sei „der Krieg, der alle Kriege beende“ – nur um bald das Gegenteil zu erleben. Camus‘ Werk war stark geprägt von der Résistance gegen die deutsche Besatzung in Frankreich, dem Holocaust und der Suche nach moralischer Integrität in einer Welt, die aus den Fugen geraten war. Auch in den 2020er-Jahren ist das Zitat aktuell, da etwa in Deutschland viele Menschen Illusionen darüber haben, dass der Krieg Russlands gegen die Ukraine durch schnelle Verhandlungen oder Zugeständnisse an den russischen Diktator rasch beendet werden könnte.

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Hans Magnus Enzensberger: „Die Seife“

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  • Apr.-28-2025
  • Absurd, Alltag, Aufopferung, Gedichte, gutezitate.net, Hans Magnus Enzensberger, Literatur, Seife, Sinne, zitat, Zitate
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„Wie stolz sie war, wie üppig sie anfangs geduftet hat!
Durch wie viele Hände sie gegangen ist,
wie entsagungsvoll sie gedient hat.
Und immer von neuem war da der Dreck.
Unbefleckt ist sie geblieben.
Klaglos hat sie sich selber verzehrt.
So ist sie immer kleiner und kleiner geworden,
unmerklich, dünn, beinahe durchsichtig,
bis sie eines Morgens vollkommen
verschwunden war.

Hans Magnus Enzensberger

Art: Gedicht Themen: Alltag, Seife,
Aufopferung, Sinne
Quelle:
Faz.net
Hintergrund

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Zum Autor: Hans Magnus Enzensberger (1929–2022) war ein bedeutender deutscher Schriftsteller, Lyriker, Essayist und Herausgeber. Er galt als einer der einflussreichsten Intellektuellen der Nachkriegszeit in der Bundesrepublik und war bekannt für seine politische Wachsamkeit, seine sprachliche Präzision sowie seine kritische Haltung gegenüber ideologischer Vereinnahmung. Enzensberger war Mitbegründer der Zeitschrift „Kursbuch“ und prägte mit seinen Arbeiten das kulturelle und gesellschaftliche Leben in Deutschland über Jahrzehnte hinweg. Seine Texte verbinden häufig literarischen Anspruch mit politischem Engagement. Sein Werk umfasst Lyrik, Prosa, Hörspiele, politische Essays und Kinderbücher.
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Interpretation: Das Gedicht beschreibt den Lebensweg einer Seife – metaphorisch dargestellt als ein stilles, dienendes Wesen, das in Würde vergeht. Anfangs wird sie als stolz und wohlriechend beschrieben, doch mit der Zeit verliert sie an Substanz, wird beschmutzt, bleibt jedoch innerlich rein. Vermittelt wird ein Bild von Aufopferung, Reinheit und Beständigkeit in einer schmutzigen, fordernden Welt. Der Dreck kann auch als ironische Anspielung gesehen werden an Spießigkeit und Reinlichkeitswahn als vermeintlich typisch deutsche „Tugenden“. Auch christliche bzw. religiöse Motive von Askese und Selbstaufgabe lassen sich hineindeuten. Enzensberger verzichtet auf Pathos, aber ist überaus ironisch, wenn er einem solch profanen Alltagsgegenstand ein solches Gedicht in allem Ernst und aller Hingabe schreibt.
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Im Kontext der Zeit: Das Gedicht ist typisch für Enzensbergers feinsinnige, gesellschaftlich grundierte Dichtung der späten Nachkriegszeit und der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In einer Ära, die von politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen geprägt war, richtet er den Blick auf das Unspektakuläre, das Übersehene: die Seife als Symbol für Bescheidenheit oder Banalität. In Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs und wachsender Ich-Bezogenheit wirkt diese Darstellung wie eine Mahnung an „alte“ Werte wie Hingabe, und Würde, ohne diese Betonung der Werte allzu ernst zu nehmen. Zugleich lässt sich dieser Gegenstand als Sinnbild für jene Menschen deuten, die im Schatten der Geschichte wirken – unbeachtet, doch essenziell. Vielleicht ist er selber gemeint (?). Das Gedicht spiegelt somit auch eine Form von Kritik an einer Gesellschaft, die den leisen Wert des Dienens oft nicht mehr zu schätzen weiß. Es passt in Enzensbergers Gesamtwerk, das sich immer wieder mit den kleinen, übersehenen Existenzen auseinandersetzt – mit klarer Sprache und hintersinniger Ironie.

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