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Erich Fromm zum Menschen im Kapitalismus

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  • Juni-12-2026
  • Beziehungen, Bonmot, Erich Fromm, Gesellschaftskritik, gutezitate.net, Liebe, Menschen, Neoliberalismus, Psychologie, zitat, Zitat aus Sachbuch, Zitate
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„Der moderne Kapitalismus braucht Menschen, die in großer Zahl reibungslos funktionieren, die immer mehr konsumieren wollen, deren Geschmack standardisiert ist und leicht vorausgesehen und beeinflußt werden kann.
Er braucht Menschen, die sich frei und unabhängig vorkommen und meinen, für sie gebe es keine Autorität, keine Prinzipien und kein Gewissen – und die trotzdem bereit sind, sich kommandieren zu lassen, zu tun, was man von ihnen erwartet, und sich reibungslos in die Gesellschaftsmaschinerie einzufügen; Menschen, die sich führen lassen, ohne daß man Gewalt anwenden müßte, die sich ohne Führer führen lassen und die kein eigentliches Ziel haben außer dem, den Erwartungen zu entsprechen, in Bewegung zu bleiben, zu funktionieren und voranzukommen […].
Er hat sich in eine Gebrauchsware verwandelt und erlebt seine Lebenskräfte als Kapitalanlage, die ihm unter den jeweils gegebenen Marktbedingungen den größtmöglichen Profit einzubringen hat. Die menschlichen Beziehungen sind im wesentlichen die von entfremdeten Automaten.”

Erich Fromm

Art:
Zitat aus Sachbuch
Thema: Bonmot
Quelle: „Passagen aus dem Buch „Die Kunst des Liebens“ in der Auflage von 2003 aus dem Ullstein Verlag | Übersetzung aus der englischen Originalausgabe „The Art of Loving“ von 1956.

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Hintergrund

Zum Autor: Erich Fromm (1900–1980) war ein deutsch-amerikanischer Psychoanalytiker, Sozialpsychologe und Philosoph. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der humanistischen Psychoanalyse und setzte sich intensiv mit den Auswirkungen der modernen Gesellschaft auf die menschliche Psyche auseinander. Fromms Werk *„Die Kunst des Liebens“* (1956) analysiert die Entfremdung des Menschen im Kapitalismus und die Herausforderungen, echte zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen und zu erleben.
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Interpretation: Fromm beschreibt hier die Entfremdung des Menschen im modernen Kapitalismus: Der Mensch wird zur „Gebrauchsware“, dessen Lebenskräfte nur noch als „Kapitalanlage“ betrachtet werden. Die Beziehungen zwischen Menschen seien ebenfalls von diesen Prinzipien überlagert, oberflächlich und entfremdet. Die Kritik zielt auf die Illusion von Freiheit und Individualität ab, wohingegen die Menschen tatsächlich von äußeren Erwartungen und Marktmechanismen gesteuert würden.
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Im Kontext der Zeit: Diese Kritik aus den 1950er und 1960er Jahren ist noch heute aktuell, wobei sich das Gesicht des Kapitalismus natürlich geändert hat. Heute ist es nicht mehr der sich damals abzeichnende Fordismus, sondern eine globalisierte Oligarchie von Transnationalen Konzernen und Milliardären, die Macht ausüben und unglaubliche Güter horten. Die Mechanismen der „Gleichschaltung“ in einer „Gesellschaftsmaschinerie“ lebt zwar fort und die Debatten über Konsumkritik und die Psychologie der Massen vs. einer Suche nach einem authentischen Leben bestehen fort.
Allerdings gibt es heute auch verstärkt antiautoritäre, konsum- und kapitalismuskritische Strömungen, die einen Sektencharakter aufweisen (Verschwörungstheoretiker*innen, rechte Esoteriker*innen etc.). Daher ist diese Gesellschaftskritik der Frankfurter Schule von damals heute immer auch im Kontext zu denjenigen Kritiker*innen in unserer heutigen Gesellschaft zu sehen, die nicht die humanistische und friedliche Gesellschaft für alle wollen.
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Tags:
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