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Category Archives: Zitat aus Sachbuch

Carl Sagan: The Dragon in My Garage

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  • Juni-18-2025
  • Carl Sagan, gutezitate.net, Literatur, Politik, Rationalität, Verschwörungsglauben, Wissenschaft, zitat, Zitat aus Sachbuch, Zitate
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„A fire-breathing dragon lives in my garage“
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Suppose (I’m following a group therapy approach by the psychologist Richard Franklin6). I seriously make such an assertion to you. Surely you’d want to check it out, see for yourself. There have been innumerable stories of dragons over the centuries, but no real evidence. What an opportunity!
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„Show me“, you say. I lead you to my garage. You look inside and see a ladder, empty paint cans, an old tricycle — but no dragon.
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„Where’s the dragon?“ you ask.
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„Oh, she’s right here“, I reply, waving vaguely. „I neglected to mention that she’s an invisible dragon.“
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You propose spreading flour on the floor of the garage to capture the dragon’s footprints.
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„Good idea“, I say, „but this dragon floats in the air.“
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Then you’ll use an infrared sensor to detect the invisible fire.
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„Good idea, but the invisible fire is also heatless.“
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You’ll spray-paint the dragon and make her visible.
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„Good idea, but she’s an incorporeal dragon and the paint won’t stick.“
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And so on. I counter every physical test you propose with a special explanation of why it won’t work.
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Now, what’s the difference between an invisible, incorporeal, floating dragon who spits heatless fire and no dragon at all? If there’s no way to disprove my contention, no conceivable experiment that would count against it, what does it mean to say that my dragon exists? Your inability to invalidate my hypothesis is not at all the same thing as proving it true. Claims that cannot be tested, assertions immune to disproof are veridically worthless, whatever value they may have in inspiring us or in exciting our sense of wonder. What I’m asking you to do comes down to believing, in the absence of evidence, on my say-so.“

Carl Sagan

Art:
Zitat aus
Sachbuch
Themen: Verschwörungs-
theorien, Philosophie
Quelle:
Rationalwiki.org
Übersetzung


„Ein feuerspeiender Drache lebt in meiner Garage“

Nehmen wir an (einem Gruppentherapieansatz des Psychologen Richard Franklin6 folgend), ich würde Ihnen gegenüber ernsthaft eine solche Behauptung aufstellen. Sicherlich würden Sie es überprüfen wollen, um sich selbst überzeugen. Im Laufe der Jahrhunderte hat es unzählige Geschichten über Drachen gegeben, aber keine wirklichen Beweise. Was für eine Gelegenheit!
„Zeig es mir“, sagst du. Ich führe dich in meine Garage. Du schaust hinein und siehst eine Leiter, leere Farbdosen, ein altes Dreirad – aber keinen Drachen.
„Wo ist der Drache?“, fragst du.
„Oh, er ist hier“, antworte ich und winke vage. „Ich habe vergessen zu erwähnen, dass er ein unsichtbarer Drache ist.“
Du schlägst vor, Mehl auf den Boden der Garage zu streuen, um die Fußabdrücke des Drachens sichtbar werden zu lassen.
„Gute Idee“, sage ich, „aber dieser Drache schwebt in der Luft.“
Danach schlägst du einen Infrarotsensor vor, um das unsichtbare Feuer aufzuspüren.
„Gute Idee, aber das unsichtbare Feuer ist auch ohne Hitze.“
Du meinst, man könnte den Drachen mit Farbe ansprühen und so sichtbar machen.
„Gute Idee, aber er ist ein körperloser Drache und die Farbe wird nicht haften.“
Und so weiter. Ich kontere also jeden physikalischen Test, den du vorschlägst, mit einer speziellen Erklärung, warum er nicht funktionieren wird.
Was ist nun der Unterschied zwischen einem unsichtbaren, körperlosen, schwebenden Drachen, der hitzefrei Feuer spuckt, und einem Drachen, der gar nicht existiert? Wenn es keine Möglichkeit gibt, meine Behauptung zu widerlegen, kein denkbares Experiment, welche Bedeutung hat denn dann die Aussage, dass mein Drache existiert?
Dass Sie meine Hypothese nicht widerlegen können, ist keineswegs dasselbe wie der Beweis, dass sie wahr ist. Behauptungen, die nicht überprüft werden können, Behauptungen, die nicht widerlegt werden können, sind in der Tat wertlos, unabhängig von ihrem Wert, uns zu inspirieren oder unseren Sinn für Wunder zu erregen.
Was ich [in diesem Beispiel] von Ihnen verlange, läuft darauf hinaus, dass sie in Ermangelung von Beweisen an das glauben, was ich sage.“
(Ausschnitt aus dem Buch: „The Demon-Haunted World“, 1956)
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Hintergrund

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Zum Autor:
Carl Sagan (1934–1996) war ein US-amerikanischer Astronom, Astrophysiker, Autor und einer bekannter Wissenschaftsautor im 20. Jahrhunderts. Er lehrte an der Cornell University und wurde durch populärwissenschaftliche Bücher wie „Cosmos“ (1980) und seine gleichnamige TV-Serie weltweit bekannt. Sagan engagierte sich für wissenschaftliches Denken, Aufklärung und Skeptizismus. Als leidenschaftlicher Humanist warnte er vor Pseudowissenschaft, dogmatischem Glauben und dem Rückzug aus rationalem Denken. Sein Buch „The Demon-Haunted World: Science as a Candle in the Dark“ (1995) ist eine Verteidigung des kritischen Denkens und ein Aufruf, Mythen durch überprüfbares Wissen zu ersetzen.
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Interpretation: Die „unsichtbare, fliegende, körperlose Drachenfrau, die feuerlose Flammen speit“ ist eine illustrative Metapher für Behauptungen, die sich jeglicher Überprüfung entziehen. Sagan führt in einem fiktiven Dialog vor, wie pseudowissenschaftliche, verschwörungstheoretische oder religiös-dogmatische Argumentationsketten grundlegend funktionieren: Jedes Gegenargument wird sofort durch eine weitere, mehr oder weniger absurde Ausnahme ausgehebelt. Durch diese Immunisierung gegenüber Fakten und Wahrscheinlichkeiten wird der Wahrheitsgehalt der Behauptung unüberprüfbar – und damit wissenschaftlich bedeutungslos. Sagan zeigt: Eine Behauptung, die prinzipiell nicht widerlegt werden kann, ist aus rationaler Sicht betrachtet wertlos – denn Wissenschaft beruht auf Falsifizierbarkeit, also der Möglichkeit, Aussagen zu überprüfen und zu widerlegen.
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Im Kontext der Zeit: In den 1990er Jahren war, wie auch heute, das öffentliche Interesse an Esoterik, alternativen Heilmethoden, UFO-Berichten und Verschwörungstheorien sehr präsent in der Gesellschaft. Gleichzeitig war das Vertrauen in wissenschaftliche Institutionen im Wandel. Carl Sagan schrieb „The Demon-Haunted World“ als Gegen-Statement zu dieser Entwicklung. Das Buch ruft zu kritischem Denken, methodischem Zweifel und dem Einsatz der wissenschaftlichen Methode im Alltag auf. Sagan kritisiert nicht spirituellen Glauben an sich, sondern das Verwechseln von subjektiver Wahrnehmung mit objektiver Wahrheit. In einer Zeit, in der alternative Fakten und Meinungen zunehmend Fakten ersetzen, ist seine Botschaft auch heute von hoher Aktualität.

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Tags:
Carl Sagan gutezitate.net Rationalität Verschwörungsglauben Wissenschaft Zitat zitate

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Erich Fromm zur „Kunst des Liebens“ im Kapitalismus/Neoliberalismus

  • By zitate
  • Juni-12-2025
  • Beziehungen, Erich Fromm, Gesellschaftskritik, gutezitate.net, Kapitalismus, Liebe, Menschen, Neoliberalismus, Psychologie, zitat, Zitat aus Sachbuch, Zitate
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„Unsere gesamte Kultur gründet sich auf die Lust am Kaufen, auf die Idee des für beide Seiten günstigen Tauschgeschäfts. […] Er (oder sie) sieht sich die Mitmenschen auf ähnliche Weise an. […]
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Was einen Menschen speziell attraktiv macht, hängt von der jeweiligen Mode ab – und zwar sowohl in körperlicher wie auch in geistiger Hinsicht. In den zwanziger Jahren galt ein junges Mädchen, das robust und sexy war und das zu trinken und zu rauchen wußte, als attraktiv; heute [um 1956 herum] verlangt die Mode mehr Zurückhaltung und Häuslichkeit. Ende des neunzehnten und Anfang unseres Jahrhunderts mußte der Mann ehrgeizig und aggressiv sein – heute muß er sozial und tolerant  eingestellt sein, um als attraktiv zu gelten.
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Jedenfalls entwickelt sich das Gefühl der Verliebtheit gewöhnlich nur in bezug auf solche menschlichen Werte, für die man selbst entsprechende Tauschobjekte zur Verfügung hat. Man will ein Geschäft machen; der erwünschte Gegenstand sollte vom Standpunkt seines gesellschaftlichen Wertes aus begehrenswert sein und gleichzeitig auch mich aufgrund meiner offenen und verborgenen Pluspunkte und Möglichkeiten begehrenswert finden.
So verlieben sich zwei Menschen ineinander, wenn sie das Gefühl haben, das beste Objekt gefunden zu haben, das für sie in Anbetracht des eigenen Tauschwerts auf dem Markt erschwinglich ist.“

Erich Fromm

Art:
Zitat aus Sachbuch
Thema: Liebe, Psychologie, Neoliberalismus, Kapitalismus, Beziehungen, Menschen
Quelle: „Passagen aus dem Buch „Die Kunst des Liebens“ *
Hintergrund

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Zum Autor: Erich Fromm (1900–1980) war ein deutsch-US-amerikanischer Sozialpsychologe, Psychoanalytiker und Humanist. Als wichtiges Mitglied der sog. Frankfurter Schule verband marxistische/antikapitalistische Gesellschaftsanalyse mit tiefenpsychologischen Konzepten. In Werken wie „Die Kunst des Liebens“ (1956) analysierte er die Bedingungen menschlicher Beziehungen in einer zunehmend entfremdeten, konsumorientierten Welt. Fromm kritisierte die Reduktion des Menschen auf seine ökonomische Funktion und plädierte für eine reife, selbstlose Liebesfähigkeit und menschliche Beziehungen, die nicht von ökonomischen Prinzipien geprägt sind.

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Interpretation: Fromm beschreibt Liebe nicht als spontanes Gefühl, sondern als Kunst – etwas, das erlernt und kultiviert werden muss. Der analysierte Abschnitt zeigt, wie sehr Liebesbeziehungen im Kapitalismus marktförmig strukturiert sind: Menschen betrachten sich selbst und andere als „Tauschobjekte“, deren Attraktivität an gesellschaftlichen Trends und Erfolgsaussichten gemessen wird. Gefühle werden ökonomisiert und werden entsprechend von persönlichen Marktwerten bestimmt. Fromm warnt davor, dass in einer solchen Logik Authentizität und Nähe verloren gehen.
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Im Kontext der Zeit: Fromm schrieb „Die Kunst des Liebens“ in den 1950er-Jahren – einer Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs in westlichen Ländern und der beginnenden Konsumgesellschaft. Die Erfahrung zweier Weltkriege lag noch frisch, zugleich wuchs eine neue unpolitische Mittelschicht heran. Fromm erkannte dabei früh die Schattenseite: einer solchen Gesellschaft, in der Menschen ihre Identität zunehmend über Besitz, Status und „Verkäuflichkeit“ definieren. Seine Analyse der Liebe als Ware war damals provokant. Auch heute, in Zeiten von Selbstoptimierung oder der Selbstvermarktung in Dating-Apps (siehe auch dieses Kapitel, PDF-Seite 125) wirkt seine Kritik sehr aktuell.

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* Buch in der Auflage von 2003 aus dem Ullstein Verlag | Übersetzung aus der englischen Originalausgabe „The Art of Loving“ von 1956.

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Tags:
Beziehungen Erich Fromm Gesellschaftskritik gutezitate gutezitate.net Kapitalismus Liebe Menschen Neoliberalismus Psychologie Zitat Zitat aus Sachbuch zitate
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Douglas Adams: Zerstörung der Erde

  • By zitate
  • Juni-10-2025
  • Douglas Adams, Gesellschaftskritik, gutezitate.net, Satire, Science-Fiction, zitat, Zitat aus Literatur, Zitat aus Sachbuch, Zitate
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.„Es hat keinen Sinn, so verwundert zu tun. Alle Planungskarten und Abrissverfügungen liegen seit fünfzig Ihrer Erdenjahre in Ihrer örtlichen Planungsabteilung in Alpha Centauri aus, Sie hatten also reichlich Zeit, eine formelle Beschwerde einzureichen, und es ist viel zu spät, sich jetzt darüber aufzuregen.“*

Douglas Adams

Art:
Zitat aus Roman
Themen: Erde, Science-Fiction, Planung, Apokalypse, Bürokratie
Quelle: Passage aus:„The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“, 1979.

HINTERGRUND
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Zum Autor: Douglas Adams (1952–2001) war ein britischer Schriftsteller, Satiriker und Drehbuchautor. Er wurde international berühmt durch sein Werk „The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“ (1979), das zunächst als Radioserie entstand und später als Buchreihe, Fernsehserie, Computerspiel und Kinofilm adaptiert wurde. Sein Stil ist geprägt von britischem Humor, philosophischen Anekdoten und Absurdität. In seinen Werken verbindet er Science-Fiction mit Gesellschaftskritik und Ironie. Seine Texte sind zugleich unterhaltsam und tiefgründig. Dabei hinterfragen sie auf humorvolle Weise Bürokratie, Technikgläubigkeit und die Sinnsuche des modernen Menschen.
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Interpretation: Das Zitat ist ein ironischer Kommentar zur Bürokratie und der Ohnmacht „normaler“ Bürger*innen gegenüber formal korrekten, aber absurden staatlichen Entscheidungen. In der Szene wird die Zerstörung der Erde durch eine außerirdische Behörde gerechtfertigt. Es wird verwiesen auf reale Erfahrungen, wo „Mitbestimmung“ oft nur formal existiert. Die Ironie liegt darin, dass die Verwaltungslogik makellos ist – aber der Menschenverstand auf der Strecke bleibt.
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Im Kontext der Zeit: In den 1970er- und 80er-Jahren war Science-Fiction ein beliebtes Genre, das die vielfältigen Entwicklungen rund um die Raumfahrt mit kontroversen gesellschaftspolitischen Themen kombinierte. Zukunftsvisionen wurden genutzt, um Kritik an Gegenwartsproblemen zu üben – sei es Umweltzerstörung, mörderische KI-Systeme oder das Agieren von Polizeistaaten. Das Motiv der bürokratischen Willkür bei Adams erinnert an andere dystopische Klassiker wie 1984, Brazil, Brave New World oder Fahrenheit 451, wo übermächtige Verwaltungssysteme und/oder autoritäre Staaten den Einzelnen entmündigen oder vernichten.
Science-Fiction erlaubt es, reale Missstände durch die Linse des Absurden oder Futuristischen zu überhöhen, wie eben bei Adams der Fall. Im Anhalter durch die Galaxis werden hier etwa Kafkaeske Strukturen ins Weltall verlegt.

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*Eigene Übersetzung. Original: „There’s no point in acting all surprised about it. All the planning charts and demolition orders have been on display in your local planning department in Alpha Centauri for fifty of your Earth years, so you’ve hat plenty of time to lodge any formal complaint and it’s far too late to start making a fuss about it now.“
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Tags:
Douglas Adams Gesellschaftskritik gutezitate gutezitate.net Satire Science-Fiction Zitat Zitat aus Literatur zitate

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Erich Fromm zur modernen Medizin

  • By zitate
  • Juni-3-2025
  • Bonmot, Erich Fromm, Frankfurter Schule, Gesellschaftskritik, gutezitate.net, Medizin, Menschen, Neoliberalismus, Psychologie, Sexualität, Verhütung, zitat, Zitat aus Sachbuch, Zitat aus Vortrag, Zitate
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„Eine Meinung, die man häufig findet: Das einzige, was Menschen hilft, ist Medizin.
Wenn man nicht schlucken kann, dann gibt’s auch keine Hilfe. In den Pillen liegt das Heil. […]
Das geht schnell, ist einfach, verlangt kein Nachdenken […]
Alles ist einfach, alles ist leicht – und das ist ja der allgemeine Zug der Zeit […]
Und was nicht leicht zu erlernen ist, das lernt man besser gar nicht.“

Erich Fromm

Art:
Zitat aus Vortrag
Thema: Bonmot
Quelle: „Psychologie für Nichtpsychologen“ (Auszüge
aus einem Vortrag), 1973.
Hintergrund

Zum Autor: Erich Fromm (1900–1980) war ein deutsch-amerikanischer Psychoanalytiker, Sozialphilosoph und Gesellschaftskritiker. Er studierte Soziologie, Psychologie und Philosophie und war wichtiges Mitglied der Frankfurter Schule. 1934 emigrierte er in die USA. Fromm kombinierte psychoanalytische Theorie mit gesellschaftskritischer Analyse. Dabei setzte er sich intensiv mit Fragen nach Emotionalität in der kapitalistischen Gesellschaft, mit Entfremdung, Konsum und dem Sinn des Lebens auseinander. Werke wie „Haben oder Sein“, „Die Kunst des Liebens“ oder „Die Furcht vor der Freiheit“ machten ihn international bekannt. Er verstand sich als Humanist, der den Zustand der modernen Gesellschaft kritisierte und den Menschen in den Mittelpunkt stellte.
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Interpretation: In dem Zitat aus „Psychologie für Nichtpsychologen“ kritisiert Fromm eine weitverbreitete Haltung der modernen Gesellschaft: die Hoffnung auf schnelle, technische Lösungen – insbesondere in Form von Medikamenten – bei psychischen und existenziellen Problemen. Seine Aussage gilt heute genauso wie damals: Komplexe Lösungen, die Anstrengung und Nachdenken erfordern, werden heute vielfach zugunsten vermeintlich einfacherer
technisch-medizinischer Lösungen verdrängt.
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Im Kontext der Zeit: Der Vortrag stammt aus dem Jahr 1973 – einer Zeit zunehmender Technisierung, wachsender Konsumgesellschaft und sich verändernder Lebenswelten. In den westlichen Industrieländern begannen auch psychische Erkrankungen sichtbarer zu werden, aber auch zunehmend pharmazeutisch behandelt zu werden – mit Psychopharmaka als vermeintlich unkomplizierter Ausweg. Fromm, der stets eine ganzheitliche Sichtweise vertrat, kritisierte diese Entwicklung früh und scharf. Für ihn war das menschliche Leiden nicht bloß ein medizinisches Problem, sondern Ausdruck gesellschaftlicher Entfremdung. Seine Warnung vor einer entmenschlichenden Technokratie und einer oberflächlichen Lösungskultur war zu seiner Zeit hochaktuell. Übertragen werden kann das alles auch auf das Thema der hormonellen Verhütung in unserer Gesellschaft, die häufig trotz gefährlicher Nebenwirkungen gegenüber „anstrengenderen“ nicht-hormonellen Methoden vorgezogen werden. Obwohl die „Segnungen“ der modernen Medizin viele Vorteile bringen, sollten sie nicht unkritisch und unreflektiert zur Anwendung kommen.

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Tags:
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Adorno zum „Ich“

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  • Mai-30-2025
  • Bonmot, Frankfurter Schule, gutezitate.net, Ich, Literatur, Theodor W. Adorno, zitat, Zitat aus Sachbuch, Zitate
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„Bei vielen Menschen ist es bereits eine Unverschämtheit, wenn sie Ich sagen. “

Theodor W. Adorno

Art:
Zitat aus Sachbuch
Thema: Bonmot
Quelle: Minima Moralia

Zum Autor: Theodor W. Adorno war ein bedeutender deutscher Philosoph, Soziologe und Musikwissenschaftler des 20. Jahrhunderts. Er war ein führendes Mitglied der Frankfurter Schule und entwickelte zusammen mit anderen Theoretikern der Kritischen Theorie tiefgehende Analysen zum aktuellen Zustand von Gesellschaft, Kultur(industrie) und etwa dem „Autoritären Charakter“ vieler Menschen in diesen Gesellschaften. Adorno war bekannt für seine scharfe Kritik an der Ökonomisierung des Menschen in dieser modernen Welt und seiner Entfremdung von sich selbst. Besonders wichtig war ihm die Reflexion über das Verhältnis von Erinnerung, Geschichte und gesellschaftlicher Entwicklung.
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Tags:
Bonmot Frankfurter Schule gutezitate gutezitate.net Ich Literatur Theodor W. Adorno Zitat Zitat aus Sachbuch zitate
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Theodor W. Adorno: „Gesetz des Tauschs“ und Vergessen der Schuld des Nationalsozialismus

  • By zitate
  • Mai-11-2025
  • Bonmot, Erinnerungskultur, Gesellschaft, gutezitate.net, Neoliberalismus, Theodor W. Adorno, zitat, Zitat aus Sachbuch, Zitate
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„Die Bürgerliche Gesellschaft steht universal unterm Gesetz des Tauschs. Des Gleich von Rechnungen, die aufgehen und bei denen eigentlich nichts zurückbleibt. Tausch ist dem eigenen Wesen nach etwas Zeitloses. So wie Ratio selber, wie die Operationen der Mathematik, ihrer reinen Form nach das Moment von Zeit aus sich ausscheiden. So verschwindet denn auch die konkrete Zeit aus der industriellen Produktion. Diese verläuft immer mehr in identischen und stoßweisen, potentiell gleichzeitigen Zyklen und bedarf kaum mehr der aufgespeicherten Erfahrungen. […]

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Das sagt aber nicht weniger, als daß Erinnerung, Zeit, Gedächtnis von der fortschreitenden bürgerlichen Gesellschaft selber als eine Art irrationaler Rest liquidiert wird.
Ähnlich wie die fortschreitende Rationalisierung der industriellen Produktionsverfahren mit anderen Resten des Handwerklichen, auch Kategorien wie die der Lehrzeit, also des sich Erwerbens von Erfahrungen reduziert.

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Wenn die Menschheit sich der Erinnerung entäußert und sich kurzatmig erschöpft an die Anpassung ans Je-Gegenwärtige, so spiegelt sie darin ein objektives Entwicklungsgesetz: Aus der allgemeinen gesellschaftlichen Situation weit eher als aus der Psychopathologie ist denn auch das Vergessen des Nationalsozialismus zu begreifen.“

Theodor W. Adorno

Art:
Zitat aus Sachbuch
Thema: Bonmot
Quelle: „Aufarbeitung der Vergangenheit“ (Vortrag von 1960)
Hintergrund

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Zum Autor: Theodor W. Adorno war ein bedeutender deutscher Philosoph, Soziologe und Musikwissenschaftler des 20. Jahrhunderts. Er war ein führendes Mitglied der Frankfurter Schule und entwickelte zusammen mit anderen Theoretikern der Kritischen Theorie tiefgehende Analysen zur Kultur, Gesellschaft und ihrer Entwicklung. Adorno war bekannt für seine scharfe Kritik an der Rationalisierung der modernen Welt, der ihr folgenden Entfremdung des Menschen. In seinem Werk „Aufarbeitung der Vergangenheit“ untersucht Adorno sozio-psychologische Prozesse, vor allem in der deutschen Nachkriegsgesellschaft, die das kollektive Gedächtnis beeinflussen und das Vergessen fördern.
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Interpretation: In diesem Zitat beschreibt Adorno, wie die bürgerliche Gesellschaft zunehmend durch ökonomische Prinzipien als angebliche Rationalität geprägt wird. Der Tausch, als eine zeitlose Form, wird als eine fundamentale Struktur verstanden, die die Zeit aus der industriellen Produktion ausschließt. Dadurch verliere die konkrete Zeit ihre Bedeutung und werde durch Zyklen – gemeint sind hier sicherlich auch Konjunkturzyklen – ersetzt. Adorno kritisiert, dass dies zu einem Verlust von Erinnerungen und Erfahrungen führe, da die individuelle und kollektive Geschichte in dieser rationalisierten Welt keine Rolle mehr spiele.
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Im Kontext der Zeit: Adornos Kritik an der Ökonomisierung, Rationalisierung und Entfremdung der Gesellschaft ist vor dem Hintergrund der zunehmenden Industrialisierung in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts zu verstehen. In einer Zeit der Fortschrittsgläubigkeit und insgesamt unkritischen Haltung der meisten Menschen bezüglich der Auswirkungen und Folgen des kapitalistischen Systems. Bei Adorno wird eine tiefe Sorge um die Auswirkungen dieser Entwicklungen deutlich, auf das menschliche Bewusstsein und die kollektive Erinnerung. Das Vergessen des Nationalsozialismus und die mangelnde Auseinandersetzung mit der Geschichte sind für ihn ein Symptom für eine Gesellschaft, die sich von ihrer eigenen Vergangenheit abwendet, um sich ökonomischen Anforderungen der Gegenwart anzupassen.
Auch für die heutige Zeit ist das Zitat insofern relevant, als dass etwa die rechtsextreme Partei AfD zugleich mit neoliberalen Forderungen Politik macht und explizit das Vergessen der Historischen Schuld Deutschlands fordert.

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Bonmot Erinnerungskultur Gesellschaft gutezitate gutezitate.net Industriegesellschaft Nationalismus Neoliberalismus Theodor W. Adorno Zitat zitate
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