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Category Archives: Natur

Bertolt Brecht – Erinnerung an die Marie A.

  • By zitate
  • Nov.-11-2025
  • Bertholt Brecht, Gedichte, gutezitate.net, Himmel, Liebe, Natur, Träumen
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„An jenem Tag im blauen Mond September
Still unter einem jungen Pflaumenbaum
Da hielt ich sie, die stille bleiche Liebe
In meinem Arm wie einen holden Traum.
Und über uns im schönen Sommerhimmel
War eine Wolke, die ich lange sah
Sie war sehr weiß und ungeheuer oben
Und als ich aufsah, war sie nimmer da.
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Seit jenem Tag sind viele, viele Monde
Geschwommen still hinunter und vorbei.
Die Pflaumenbäume sind wohl abgehauen
Und fragst du mich, was mit der Liebe sei?
So sag ich dir: Ich kann mich nicht erinnern
Und doch, gewiß, ich weiß schon, was du meinst.
Doch ihr Gesicht, das weiß ich wirklich nimmer
Ich weiß nur mehr: ich küßte es dereinst.
Und auch den Kuß, ich hätt ihn längst vergessen
nicht die Wolke dagewesen wär
Die weiß ich noch und werd ich immer wissen
Sie war sehr weiß und kam von oben her.
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Die Pflaumenbäume blühn vielleicht noch immer
Und jene Frau hat jetzt vielleicht das siebte Kind
Doch jene Wolke blühte nur Minuten
Und als ich aufsah, schwand sie schon im Wind.“

Bertolt Brecht

Art:
Gedicht
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Thema: Liebe, Sommer, Natur, Himmel
Quelle: Textlog.de / Galgenlieder
Hintergrund


Zum Autor:
Bertolt Brecht (1898–1956) war ein deutscher Lyriker und Theaterregisseur. Er zählt zu den bedeutendsten Vertretern deutscher Literatur und Kunst im 20. Jahrhunderts, insbesondere durch seine Entwicklung des „epischen Theaters“. Brecht war ein politisch engagierter Künstler, der Kunst als Mittel gesellschaftlicher Aufklärung verstand. Neben seinen Theaterstücken verfasste er Gedichte, in denen er sowohl soziale Missstände anprangerte als auch persönliche, oft melancholische Töne anschlug. Nach dem Exil in verschiedenen Ländern kehrte Brecht nach dem Zweiten Weltkrieg in die DDR zurück, wo er das Berliner Ensemble gründete.
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Interpretation: Dieses Gedicht ist eines der persönlichsten und poetischsten Werke Brechts. Es thematisiert Erinnerung, Verlust und die Vergänglichkeit der menschlichen Existenz. Während die Liebe – auch vor dem inneren Auge verblasst ist, bleibt die Erinnerung wie an eine flüchtige Wolke lebendig. Wohl auch als Symbol für die Kurzweiligkeit des Lebens. Brecht setzt hier bewusst einen Kontrast zwischen dem Konkreten (dem Kuss, dem Baum, dem Tag) und dem Verschwommenen (der Wolke), das sich ebenfalls unauslöschlich ins Gedächtnis eingebrannt hat. Es ist ein Gedicht über das, was bleibt, obwohl scheinbar alles vergeht – und über wichtige kleine Momente im Leben eines Menschen.
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Im Kontext der Zeit: Das Gedicht wurde in den 1920er Jahren verfasst, also in einer Zeit persönlicher und gesellschaftlicher Umbrüche. Brecht war damals noch nicht der politisch orientierte Dramatiker, sondern ein junger Mann, der sich hier mit subjektiven Gefühlsfragen auseinandersetzte. Das Werk steht exemplarisch für seine frühen Gedichte, die oft von Melancholie, romantischer Erinnerung und einem leisen Weltschmerz geprägt sind. Auch wenn Brecht später eher für seine politische Schärfe bekannt wurde, zeigt dieses Gedicht seine romantische Seite.

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Tags:
Bertholt Brecht Gedichte gutezitate gutezitate.net Himmel Liebe Literatur Natur Träumen

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Aldous Huxley: Zur Liebe zur Natur (Brave New World)

  • By zitate
  • Juni-24-2025
  • Aldous Huxley, Dystopie, Gesellschaftskritik, gutezitate.net, Industriegesellschaft, Natur, Sport, zitat, Zitat aus Literatur, Zitate
  • 0 Kommentare.

„Primroses [Primeln] and landscapes, he pointed out, have one grave defect: they are gratuitous. A love of nature keeps no factories busy. It was decided to abolish the love of nature, at any rate among the lower classes; to abolish the love of nature, but not the tendency to consume transport. For of course it was essential that they should keep on going to the country, even though they hated it. The problem was to find an economically sounder reason for consuming transport than a mere affection for primroses and landscapes. It was duly found.
We condition the masses to hate the country,“ concluded the Director. „But simultaneously we condition them to love all country sports. At the same time, we see to it that all country sports shall entail the use of elaborate apparatus. So that they consume manufactured articles as well as transport. Hence those electric shocks.“

Aldous Huxley

Art:
Zitat aus Literatur
Thema: Sport, Konsumgesellschaft, Dystopie, Gesellschaftskritik
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Quelle:
„Brave new World“, 1931

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Übersetzung


„Primeln und Landschaft haben einen großen Nachteil: Sie sind kostenlos. Eine Liebe zur Natur lastet keine Fabriken aus. Man beschloss, die Liebe zur Natur abzuschaffen, jedenfalls bei den unteren Schichten; die Liebe zur Natur abzuschaffen, aber nicht die Neigung, Verkehrsmittel zu konsumieren. Denn natürlich war es unerlässlich, dass sie weiterhin aufs Land fuhren, auch wenn sie es hassten. Das Problem bestand darin, einen wirtschaftlich vernünftigeren Grund für den Verkehrskonsum zu finden als die bloße Zuneigung zu Primeln und Landschaften. Dieser Grund wurde gefunden.
„Wir konditionieren die Massen darauf, ländliche Gebiete zu hassen“, schloss der Direktor. „Aber gleichzeitig konditionieren wir sie dazu, alle Landsportarten zu lieben. Gleichzeitig sorgen wir dafür, dass alle Landsportarten mit der Benutzung aufwendiger Geräte verbunden sind. So dass sie nicht nur Transportmittel, sondern auch Industrieerzeugnisse konsumieren. Daher diese elektrischen Schocks.“
(Ausschnitt aus: „Brave New World“, 1931, eigene Übersetzung)
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Hintergrund

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Zum Autor: Aldous Huxley (1894–1963) war ein britischer Schriftsteller, Essayist und Kulturkritiker, der vor allem durch seinen dystopischen Roman „Brave New World“ (1932) bekannt wurde. In seinem Werk verband er naturwissenschaftliche Bildung, philosophisches Denken und eine tiefe Skepsis gegenüber technologischem Fortschritt. Huxley entstammte einer bekannten Intellektuellenfamilie – sein Großvater war der Biologe Thomas H. Huxley, ein prominenter Verteidiger Darwins. Huxleys Tehmen waren vor vor allem die Entfremdung des Menschen in einer technokratischen und fundamentalistischen Konsumgesellschaft. Seine Visionen über soziale Kontrolle durch Manipulation, Konsum und Konditionierung sind bis heute offensichtlich aktuell.

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Interpretation: Das Zitat thematisiert eine zentrale Strategie der totalitären Gesellschaft in „Brave New World“: Die systematische Ersetzung natürlicher Bedürfnisse durch künstlich erzeugte Konsumzwänge. Die Liebe zur Natur wird gezielt unterdrückt, weil sie wirtschaftlich unproduktiv ist. Stattdessen werden die Menschen darauf konditioniert, sportliche Aktivitäten in der Natur nur noch in Kombination mit kostenintensiver Freizeitgestaltung zu mögen – etwa durch Sportarten, die auf technische Geräte angewiesen sind. Die Konditionierung findet in seiner Dystopie im Embryostatium der Menschen mit Hilfe von Elektroschocks statt. Huxley kritisiert in dieser Passage, wie Ideologie, Ökonomie und Technologie Hand in Hand wirken, um die Menschen zu unterdrücken und eine Ständegesellschaft zu zementieren.

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Im Kontext der Zeit: Huxley schrieb „Brave New World“ in der Zwischenkriegszeit – in einer Ära extremer gesellschaftlicher Umbrüche, wachsender Industrialisierung und aufkommender Massenkultur bzw. einem durch und durch fordistischen Wirtschaftssystem. Die traumatischen Erfahrungen des Ersten Weltkriegs hatten das Vertrauen in den Fortschritt erschüttert. Huxley reagierte auf diese Entwicklungen mit einer radikalen Zukunftsvision, in der Stabilität, Konsum und Effizienz zum höchsten Gut erhoben werden – auf Kosten von Freiheit, Individualität, Menschlichkeit und Naturverbundenheit. Auch in Bezug auf den Neoliberalismus heute, als prägendes Paradigma, kann diese Kritik fast eins zu eins übertragen werden.
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Tags:
Aldous Huxley Dystopie gutezitate gutezitate.net Literatur Natur Sport Zitat Zitat aus Literatur zitate

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