Erich Fromm zum Menschen im Kapitalismus
„Der moderne Kapitalismus braucht Menschen, die in großer Zahl reibungslos funktionieren, die immer mehr konsumieren wollen, deren Geschmack standardisiert ist und leicht vorausgesehen und beeinflußt werden kann.
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| Art: Zitat aus Sachbuch |
Thema: Bonmot |
Quelle: „Passagen aus dem Buch „Die Kunst des Liebens“ in der Auflage von 2003 aus dem Ullstein Verlag | Übersetzung aus der englischen Originalausgabe „The Art of Loving“ von 1956.
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Zum Autor: Erich Fromm (1900–1980) war ein deutsch-amerikanischer Psychoanalytiker, Sozialpsychologe und Philosoph. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der humanistischen Psychoanalyse und setzte sich intensiv mit den Auswirkungen der modernen Gesellschaft auf die menschliche Psyche auseinander. Fromms Werk *„Die Kunst des Liebens“* (1956) analysiert die Entfremdung des Menschen im Kapitalismus und die Herausforderungen, echte zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen und zu erleben.
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Interpretation: Fromm beschreibt hier die Entfremdung des Menschen im modernen Kapitalismus: Der Mensch wird zur „Gebrauchsware“, dessen Lebenskräfte nur noch als „Kapitalanlage“ betrachtet werden. Die Beziehungen zwischen Menschen seien ebenfalls von diesen Prinzipien überlagert, oberflächlich und entfremdet. Die Kritik zielt auf die Illusion von Freiheit und Individualität ab, wohingegen die Menschen tatsächlich von äußeren Erwartungen und Marktmechanismen gesteuert würden.
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Im Kontext der Zeit: Diese Kritik aus den 1950er und 1960er Jahren ist noch heute aktuell, wobei sich das Gesicht des Kapitalismus natürlich geändert hat. Heute ist es nicht mehr der sich damals abzeichnende Fordismus, sondern eine globalisierte Oligarchie von Transnationalen Konzernen und Milliardären, die Macht ausüben und unglaubliche Güter horten. Die Mechanismen der „Gleichschaltung“ in einer „Gesellschaftsmaschinerie“ lebt zwar fort und die Debatten über Konsumkritik und die Psychologie der Massen vs. einer Suche nach einem authentischen Leben bestehen fort.
Allerdings gibt es heute auch verstärkt antiautoritäre, konsum- und kapitalismuskritische Strömungen, die einen Sektencharakter aufweisen (Verschwörungstheoretiker*innen, rechte Esoteriker*innen etc.). Daher ist diese Gesellschaftskritik der Frankfurter Schule von damals heute immer auch im Kontext zu denjenigen Kritiker*innen in unserer heutigen Gesellschaft zu sehen, die nicht die humanistische und friedliche Gesellschaft für alle wollen.
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