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Category Archives: Gesellschaft

Menschentypen ohne „kritische Reflexion der bestehenden Verhältnisse“

  • By zitate
  • Sep.-8-2026
  • Autoritärer Charakter, Frankfurter Schule, Gesellschaft, Gesellschaftliche Verhältnisse, Gesellschaftskritik, gutezitate.net, Theodor W. Adorno
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„[Menschen,] die auf jede kritische Reflexion der bestehenden Verhältnisse verzichten, werden gerne bezeichnet als
— opportunistisch
— konformistisch
— positivistisch
— affirmatorisch
— revionistisch
— apologetisch
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Diese Ausdrücke werden nicht immer genau unterschieden; ihre Bedeutung kann von Autor zu Autor beträchtlich variieren. Man kann sie jedoch in etwa wie folgt verstehen:
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1. Der OPPORTUNIST hängt, als zynischer Nihilist ohne Eigenschaften und Überzeugungen, sein Mäntelchen nach jedem Wind und sucht, ohne alle moralischen Skrupel, unter beliebigen Verhältnissen Gelegenheiten, sich Vorteile zu verschaffen.Vorzugsweise redet er den Repräsentanten der herrschenden Meinung nach dem Mund.
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2. Der KONFORMIST, der typische Mitläufer (glänzend beschrieben in Alberto Moravias berühmten Roman „Il Conformista“), gibt aus Feigheit und Verantwortungslosigkeit dem Druck der Verhältnisse nach, frisiert u.U. sein Gewissen (falls vorhanden) um und lügt sich die Dinge so zurecht, daß er seine Ruhe hat.
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3. Der POSITIVIST, der vermeintlich völlig neutrale, nüchtern wertfreie Beobachter, der lediglich die angeblich positive Macht des Faktischen „wissenschaftlich“ beschreibt, verdoppelt damit nur die bestehenden Verhältnisse in der Theorie und macht so „Reklame für die Welt, wie sie nun einmal ist“ (Adorno).
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4. Der AFFIRMATOR ist vorsätzlicher Überzeugungstäter, der die bestehenden Verhältnisse befestigt, weil er von ihnen profitiert oder sogar für sie verantwortlich ist, mithin Veränderungen fürchtet und Kritiker mundtot (notfalls auch ganz tot) zu machen sucht.

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5. Der „REVIONIST“ (oder Reaktionär) versucht, theoretische Fortschritte oder gesellschaftliche Veränderungen, die bereits stattgefunden haben, zu diskreditieren und im Rahmen eines ideologischen „roll back“ so schnell wie möglich wieder rückgängig zu machen.
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6. Der APOLOGET ist der begeisterte, unter Umständen fanatische Evangelist, der die bestehenden Verhältnisse rechtfertigt, preist und heiligt: er würde nicht nur selber dafür kämpfen, sondern nicht selten auch zu jeder Schurkerei greifen, um andere zu zwingen, sich daran zu beteiligen. In sehr seltenen Fällen können Apologeten – als einzige unter den genannten – hohe reflexive Intelligenz und ein ausgeprägtes kritisches Bewußtsein besitzen: ihre Begriffe und Theorien öffnen ihnen jedoch einen eher „rechtsgerichteten“ Blick auf die Verhältnisse, die sie, subjektiv oft aufrichtig überzeugt, für das kleinstmögliche Übel halten und darum gegen „Verschlimmbesserungen“ verteidigen wollen. Aus linker Sicht wird ihnen dann oft „Verrat am Geist“ oder dergleichen vorgeworfen. (Beispiele wären etwa Carl Schmitt oder Arnold Gehlen, in jüngster Zeit Martin Walser oder Botho Strauss).

„CC Schroeder“

Art:
Zitat aus Buch
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Thema: Gesellschaftskritik, Autoritärer Charakter, Frankfurter Schule
Quelle: Archive.org

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Tags:

Frankfurter Schule Gesellschaft Gesellschaftliche Verhältnisse Gesellschaftskritik gutezitate gutezitate.net Theodor W. Adorno

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Theodor W. Adorno: „Gesetz des Tauschs“ und Vergessen der Schuld des Nationalsozialismus

  • By zitate
  • Mai-11-2025
  • Bonmot, Erinnerungskultur, Gesellschaft, gutezitate.net, Neoliberalismus, Theodor W. Adorno, zitat, Zitat aus Sachbuch, Zitate
  • 0 Kommentare.

„Die Bürgerliche Gesellschaft steht universal unterm Gesetz des Tauschs. Des Gleich von Rechnungen, die aufgehen und bei denen eigentlich nichts zurückbleibt. Tausch ist dem eigenen Wesen nach etwas Zeitloses. So wie Ratio selber, wie die Operationen der Mathematik, ihrer reinen Form nach das Moment von Zeit aus sich ausscheiden. So verschwindet denn auch die konkrete Zeit aus der industriellen Produktion. Diese verläuft immer mehr in identischen und stoßweisen, potentiell gleichzeitigen Zyklen und bedarf kaum mehr der aufgespeicherten Erfahrungen. […]

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Das sagt aber nicht weniger, als daß Erinnerung, Zeit, Gedächtnis von der fortschreitenden bürgerlichen Gesellschaft selber als eine Art irrationaler Rest liquidiert wird.
Ähnlich wie die fortschreitende Rationalisierung der industriellen Produktionsverfahren mit anderen Resten des Handwerklichen, auch Kategorien wie die der Lehrzeit, also des sich Erwerbens von Erfahrungen reduziert.

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Wenn die Menschheit sich der Erinnerung entäußert und sich kurzatmig erschöpft an die Anpassung ans Je-Gegenwärtige, so spiegelt sie darin ein objektives Entwicklungsgesetz: Aus der allgemeinen gesellschaftlichen Situation weit eher als aus der Psychopathologie ist denn auch das Vergessen des Nationalsozialismus zu begreifen.“

Theodor W. Adorno

Art:
Zitat aus Sachbuch
Thema: Bonmot
Quelle: „Aufarbeitung der Vergangenheit“ (Vortrag von 1960)
Hintergrund

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Zum Autor: Theodor W. Adorno war ein bedeutender deutscher Philosoph, Soziologe und Musikwissenschaftler des 20. Jahrhunderts. Er war ein führendes Mitglied der Frankfurter Schule und entwickelte zusammen mit anderen Theoretikern der Kritischen Theorie tiefgehende Analysen zur Kultur, Gesellschaft und ihrer Entwicklung. Adorno war bekannt für seine scharfe Kritik an der Rationalisierung der modernen Welt, der ihr folgenden Entfremdung des Menschen. In seinem Werk „Aufarbeitung der Vergangenheit“ untersucht Adorno sozio-psychologische Prozesse, vor allem in der deutschen Nachkriegsgesellschaft, die das kollektive Gedächtnis beeinflussen und das Vergessen fördern.
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Interpretation: In diesem Zitat beschreibt Adorno, wie die bürgerliche Gesellschaft zunehmend durch ökonomische Prinzipien als angebliche Rationalität geprägt wird. Der Tausch, als eine zeitlose Form, wird als eine fundamentale Struktur verstanden, die die Zeit aus der industriellen Produktion ausschließt. Dadurch verliere die konkrete Zeit ihre Bedeutung und werde durch Zyklen – gemeint sind hier sicherlich auch Konjunkturzyklen – ersetzt. Adorno kritisiert, dass dies zu einem Verlust von Erinnerungen und Erfahrungen führe, da die individuelle und kollektive Geschichte in dieser rationalisierten Welt keine Rolle mehr spiele.
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Im Kontext der Zeit: Adornos Kritik an der Ökonomisierung, Rationalisierung und Entfremdung der Gesellschaft ist vor dem Hintergrund der zunehmenden Industrialisierung in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts zu verstehen. In einer Zeit der Fortschrittsgläubigkeit und insgesamt unkritischen Haltung der meisten Menschen bezüglich der Auswirkungen und Folgen des kapitalistischen Systems. Bei Adorno wird eine tiefe Sorge um die Auswirkungen dieser Entwicklungen deutlich, auf das menschliche Bewusstsein und die kollektive Erinnerung. Das Vergessen des Nationalsozialismus und die mangelnde Auseinandersetzung mit der Geschichte sind für ihn ein Symptom für eine Gesellschaft, die sich von ihrer eigenen Vergangenheit abwendet, um sich ökonomischen Anforderungen der Gegenwart anzupassen.
Auch für die heutige Zeit ist das Zitat insofern relevant, als dass etwa die rechtsextreme Partei AfD zugleich mit neoliberalen Forderungen Politik macht und explizit das Vergessen der Historischen Schuld Deutschlands fordert.

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Tags:

Bonmot Erinnerungskultur Gesellschaft gutezitate gutezitate.net Industriegesellschaft Nationalismus Neoliberalismus Theodor W. Adorno Zitat zitate
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