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Category Archives: Gedichte

„Lied der Deutschen, aber auch aller anderen“ (Postillon)

  • By zitate
  • Dez.-19-2025
  • Der Postillon, Gedichte, gutezitate.net, Nationalhymne, Nationalismus, Patriotismus
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„Vielfalt, Gleichheit und Korrektheit für das deutsche Heimatland, aber auch für andere Länder natürlich!
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Danach lasst uns alle streben – also nicht als Vorschrift gemeint, aber es wäre schön – brüderlich, schwesterlich sowie queer oder geschlechtsunspezifisch ersten Grades verwandt, mit Herz und Hand und anderen Körperteilen, die genauso nützlich sind!
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Vielfalt, Gleichheit und Korrektheit sind des Glückes Unterpfand, wobei man natürlich auch auf andere Weisen Glück erfahren kann.
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Blüh im Glanze dieses Glückes, blühe, deutsches Heimatland, aber auch andere Länder natürlich!
Also selbstverständlich nur, wenn das für dich ok ist und du gerade auch wirklich blühen willst.
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Sei einfach du selbst, Deutschland! Und auch alle anderen Länder natürlich!
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Blüh im Glanze dieses Glückes, blühe, deutsches Heimatland. .“

Der Postillon (2018)

Art:
Nationalhymne
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Thema: Parodie, Humor, Nationalismus, Patriotismus
Quelle: Der Postillon

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Tags:
Der Postillon Gedichte gutezitate gutezitate.net Humor Nationalhymne Nationalismus Patriotismus

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Bertolt Brecht – Erinnerung an die Marie A.

  • By zitate
  • Nov.-11-2025
  • Bertholt Brecht, Gedichte, gutezitate.net, Himmel, Liebe, Natur, Träumen
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„An jenem Tag im blauen Mond September
Still unter einem jungen Pflaumenbaum
Da hielt ich sie, die stille bleiche Liebe
In meinem Arm wie einen holden Traum.
Und über uns im schönen Sommerhimmel
War eine Wolke, die ich lange sah
Sie war sehr weiß und ungeheuer oben
Und als ich aufsah, war sie nimmer da.
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Seit jenem Tag sind viele, viele Monde
Geschwommen still hinunter und vorbei.
Die Pflaumenbäume sind wohl abgehauen
Und fragst du mich, was mit der Liebe sei?
So sag ich dir: Ich kann mich nicht erinnern
Und doch, gewiß, ich weiß schon, was du meinst.
Doch ihr Gesicht, das weiß ich wirklich nimmer
Ich weiß nur mehr: ich küßte es dereinst.
Und auch den Kuß, ich hätt ihn längst vergessen
nicht die Wolke dagewesen wär
Die weiß ich noch und werd ich immer wissen
Sie war sehr weiß und kam von oben her.
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Die Pflaumenbäume blühn vielleicht noch immer
Und jene Frau hat jetzt vielleicht das siebte Kind
Doch jene Wolke blühte nur Minuten
Und als ich aufsah, schwand sie schon im Wind.“

Bertolt Brecht

Art:
Gedicht
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Thema: Liebe, Sommer, Natur, Himmel
Quelle: Textlog.de / Galgenlieder
Hintergrund


Zum Autor:
Bertolt Brecht (1898–1956) war ein deutscher Lyriker und Theaterregisseur. Er zählt zu den bedeutendsten Vertretern deutscher Literatur und Kunst im 20. Jahrhunderts, insbesondere durch seine Entwicklung des „epischen Theaters“. Brecht war ein politisch engagierter Künstler, der Kunst als Mittel gesellschaftlicher Aufklärung verstand. Neben seinen Theaterstücken verfasste er Gedichte, in denen er sowohl soziale Missstände anprangerte als auch persönliche, oft melancholische Töne anschlug. Nach dem Exil in verschiedenen Ländern kehrte Brecht nach dem Zweiten Weltkrieg in die DDR zurück, wo er das Berliner Ensemble gründete.
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Interpretation: Dieses Gedicht ist eines der persönlichsten und poetischsten Werke Brechts. Es thematisiert Erinnerung, Verlust und die Vergänglichkeit der menschlichen Existenz. Während die Liebe – auch vor dem inneren Auge verblasst ist, bleibt die Erinnerung wie an eine flüchtige Wolke lebendig. Wohl auch als Symbol für die Kurzweiligkeit des Lebens. Brecht setzt hier bewusst einen Kontrast zwischen dem Konkreten (dem Kuss, dem Baum, dem Tag) und dem Verschwommenen (der Wolke), das sich ebenfalls unauslöschlich ins Gedächtnis eingebrannt hat. Es ist ein Gedicht über das, was bleibt, obwohl scheinbar alles vergeht – und über wichtige kleine Momente im Leben eines Menschen.
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Im Kontext der Zeit: Das Gedicht wurde in den 1920er Jahren verfasst, also in einer Zeit persönlicher und gesellschaftlicher Umbrüche. Brecht war damals noch nicht der politisch orientierte Dramatiker, sondern ein junger Mann, der sich hier mit subjektiven Gefühlsfragen auseinandersetzte. Das Werk steht exemplarisch für seine frühen Gedichte, die oft von Melancholie, romantischer Erinnerung und einem leisen Weltschmerz geprägt sind. Auch wenn Brecht später eher für seine politische Schärfe bekannt wurde, zeigt dieses Gedicht seine romantische Seite.

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Tags:
Bertholt Brecht Gedichte gutezitate gutezitate.net Himmel Liebe Literatur Natur Träumen

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Hans Magnus Enzensberger – Sitzstreik

  • By zitate
  • Aug.-4-2025
  • 68er, Existenzialismus, Fortschritt, Fortschrittsgläubigkeit, Gedichte, Gesellschaftskritik, gutezitate.net, Hans Magnus Enzensberger, Neoliberalismus, Widerstand, zitat, Zitate
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„Der Buddha nimmt die Beine in die Hand.
Der Eilbote zockelt hinterdrein.
Die Fixsterne wallen.
Der Fortschritt wartet in der Warteschleife.
Die Schnecke verrennt sich.
Die Rakete hinkt.
Die Ewigkeit setzt zum Endspurt an.
Ich rühre mich nicht.“

Hans Magnus Enzensberger

Art:
Gedicht
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Thema: Neoliberalismus, Widerstand, Fortschritt, Existentialismus, 68er, Humor
Quelle: Neoliberalyse.de
Hintergrund


Zum Autor:
Hans Magnus Enzensberger (1929–2022) war einer der interessantesten und kritischsten intellektuellen deutschen Schriftsteller*innen des 20. Jahrhunderts. Als kritischer Beobachter gesellschaftlicher Entwicklungen verband er analytischen Scharfsinn mit literarischer Eleganz – mit einer Prise Humor. Enzensberger war auch ein politisch denkender Autor, der die Weltsicht der 68er-Generation begleitete und danach kritisch blieb, während andere, vor allem in der Politik, sich dem „System“ anbiederten. Seine Werke durchziehen die Jahrzehnte deutscher Geschichte nach dem 2. Weltkrieg wider.

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Interpretation: Das Gedicht spielt ironisch mit dem Bild von Bewegung und Stillstand. Es nimmt Bilder und Klischees von Geschwindigkeit, Modernität und Fortschritt auf und kombiniert diese gezielt mit Bildern von Langsamkeit und Stagnation (Buddah, Schnecke, Fixsterne, Ewigkeit). Hierdurch ent­steht Absur­dität („die Schnecke verrennt sich“). Enzensberger stellt damit die Frage nach dem Sinn von Fortschritt.

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Im Kontext der Zeit: In einer beschleunigten Welt, in der alles dem Fortschritt untergeordnet scheint, wirkt sein Innehalten wie ein Akt des passiven Widerstands bzw. der Subversion. Im Lichte von permanenter Erreichbarkeit, Geschwindigkeit und technologischem Fortschritt, entfaltet die bewusste Verweigerung von Bewegung eine radikale Kraft.
Die in unserer Ge­sell­schaft allgemein positiv konnotierten Worte des Fort­schritts er­scheinen plötzlich lächerlich. Dies wird dadurch ver­stärkt, dass sogar die Re­präsentanten von Geschwindigkeit (Rakete, Fort­schritt, Eilbote) nicht so recht zu funk­tionieren scheinen.
Das Einzige, was klar ist und Bestand hat, ist die Gewissheit, nichts mit diesem stotternden Fortschrittssystem zu tun haben zu wollen. Diese Ab­gren­zung kann klar als Ablehnung einer neoliberalen Ge­sell­schaft gesehen werden, deren Ideolo­gie karikiert wird. Das Gedicht stellt einen präzise gesetzten Seitenhieb auf einen Zeit­geist dar, dessen Mantren von Fortschritt und Geschwindigkeit ohne Substanz sind, aber dafür mit um so mehr Pathos proklamiert werden.
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Tags:
68er Bonmot Existenzialismus Fortschritt Fortschrittsgläubigkeit Gedichte Gesellschaftskritik gutezitate gutezitate.net Hans Magnus Enzensberger Literatur Zitat zitate

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Fritz Graßhoff – Was ich getan

  • By zitate
  • Juli-24-2025
  • Bonmot, Existenzialismus, Fritz Graßhoff, Gedichte, gutezitate.net, Krieg, Tod, zitat, Zitate
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„Was ich getan,
verlor den Sinn.
Weiß nicht, warum
ich fröhlich bin.
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Was ich geliebt,
deckt schon der Schnee.
Weiß nicht, warum
ich weitergeh.
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Gezählt ist schon
der Stunden Schlag.
Weiß nicht, warum
ich leben mag.“

Fritz Graßhoff

Art:
Gedicht
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Thema: Existenz, Leben, Tod, Krieg
Quelle: www.planetlyrik.de
Hintergrund


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Zum Autor: Fritz Graßhoff (1913–1979) war ein Autor, Maler und Texter von Liedern aus Deutschland. Seine Balladen, satirische Gedichte und Chansons machten ihn besonders berühmt. Als populärer Lyriker galt Graßhoff in den 1950er- und 60er-Jahren, dessen Werke sowohl literarischen Anspruch als auch Volksnähe miteinander verbinden. Berühmt wurde er vor allem durch seine „Halunkenpostille“, eine Sammlung von ironischen, humorvollen und melancholischen Texten. Oft schwanken seine Texte zwischen Melancholie und Ironie, Nachdenklichkeit und Leichtigkeit.
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Interpretation: „Was ich getan“ ist ein kurzes, aber wortgewaltiges Gedicht. In drei Strophen beschreibt das lyrische Ich das Empfinden einer inneren Leere und des allumfassenden Weltschmerzes nach der menschlichen Katastrophe des vergangenen 2. Weltkriegs. Handlungen verlieren ihre Bedeutung, vergangene Liebe ist begraben, und selbst das Leben erscheint hoffnungslos.  Trotz des Verlusts und des Beschreibens der Hoffnungslosigkeit, ist das Gedicht nicht resignativ, sondern es besteht eine kleise, kleine Hoffnung. Die ruhige Akzeptanz des Zweifelns prägt den Text eine fast meditative Tiefe. Die einfache Sprache, der gleichmäßige Rhythmus und die klare Struktur betonen den emotionalen Gehalt

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Im Kontext der Zeit: Fritz Graßhoffs Werk entstand in der Nachkriegszeit, als viele Menschen mit persönlichen Verlusten und nah zurückliegenden Schicksalsschlägen zu kämpfen hatten. Der Zweite Weltkrieg hatte Millionen das Zuhause, vielleicht aber auch den Glauben an Ideale oder eine Zukunft geraubt. Auch Jahrzehnte später wirkten diese Traumata nach. In diesem Kontext auch dieses Gedicht zu verstehen – als Ausdruck einer „inneren Emigration“, die viele Menschen erfuhren und existenzialistischer Gedankengänge. Ohne Pathos, aber mit Tiefe werden diese Gefühle und Gedanken in Worte gefasst, geprägt von der traumatischen Erinnerung, an Verlust, aber auch die Notwendigkeit zum Weiterleben. Das Gedicht wirkt wie ein stiller Monolog des Menschen im Angesicht der Endlichkeit – eine lyrische Momentaufnahme dieser Zeit.

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Tags:
Existenzialismus Fritz Graßhoff Gedichte gutezitate gutezitate.net Krieg Leben Literatur Tod Zitat zitate
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Christian Morgenstern – Der Lattenzaun

  • By zitate
  • Juli-2-2025
  • Absurd, Architektur, Bonmot, Christian Morgenstern, Gedichte, gutezitate.net, zitat, Zitate
  • 0 Kommentare.

„Es war einmal ein Lattenzaun,
mit Zwischenraum, hindurchzuschaun.
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Ein Architekt, der dieses sah,
stand eines Abends plötzlich da –
.
und nahm den Zwischenraum heraus
und baute draus ein großes Haus.
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Der Zaun indessen stand ganz dumm
mit Latten ohne was herum,
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ein Anblick gräßlich und gemein.
Drum zog ihn der Senat auch ein.
.
Der Architekt jedoch entfloh
nach Afri – od – Ameriko..“

Christian Morgenstern

Art:
Gedicht
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Thema: Architektur, Humor
Quelle: Textlog.de / Galgenlieder
Hintergrund

Zum Autor: Christian Morgenstern (1871–1914) war ein deutscher Dichter und Schriftsteller, der vor allem durch seine witzigen und verspielten Gedichte bekannt wurde. Die wichtigste Gedichtesammlung die berühmte „Galgenlieder“-Sammlung. Morgensterns Werke verbinden sprachliche Leichtigkeit mit philosophischer Tiefe und hintergründigem Witz. Er gilt als Pionier des literarischen Nonsens im deutschen Sprachraum. Neben seinem komischen Werk war er auch an spirituellen Themen interessiert, insbesondere an der Anthroposophie Rudolf Steiners. Trotz seines kurzen Lebens hinterließ Morgenstern ein umfangreiches und stilistisch vielfältiges Werk, das von Ironie, Sprachkritik und einem feinen Sinn für Absurdität geprägt ist.

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Interpretation: „Der Lattenzaun“ ist ein typisches Beispiel für Morgensterns satirische Lyrik. Im Mittelpunkt steht ein scheinbar banaler Gegenstand, der zur Grundlage für eine groteske und schreiend komische Posse wird. Die Leere der modernen Architektur wird es sein, welche er mit den „Zwischenräumen“ auf die Schippe nimmt. Dies ist subtile Kritik an technokratischem oder rein funktionalem Denken: Was bleibt vom Sinn eines Objekts, wenn man ihm das Wesenhafte – hier: die Durchlässigkeit. Das Gedicht zeigt dabei auf den Schuldigen als Repräsentanten für die kritisierte Entwicklung in diesem Gesellschaftsbereich: Den Architekten.

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Im Kontext der Zeit: Das Gedicht entstand in einer Epoche der Umbrüche, auch in der Architektur. Morgenstern beobachtete diese Entwicklungen mit Skepsis und verarbeitete sie mit Ironie. Die Idee, aus „Zwischenräumen“ etwas „Großes“ zu bauen, klingt nach Parodie eines Fortschrittsglaubens, aber auch der Rationalisierungstendenzen, insbesondere in der Architektur. Die blödelnde Sprache des Gedichts mag diesen tieferen Sinn überdecken.  Nur wer das „Unsichtbare“ lesen kann, bzw. zwischen den Zeilen liest, versteht..

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Tags:
Architektur Bonmot Christian Morgenstern Gedichte gutezitate gutezitate.net Literatur Zitat zitate

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Abraham a Sancta Clara: Der Mensch ist ein Schaum

  • By zitate
  • Mai-17-2025
  • Abraham a Sancta Clara, Barock, Bonmot, Gedichte, gutezitate.net, zitat, Zitate
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„Der Mensch ist ein Schaum, der bald abfließt,
Eine Blum, die bald absprießt.
Der Mensch ist ein Fluß, der bald abrinnt,
Ein Kerzen, die bald abbrinnt.
Der Mensch ist ein Glas, das bald zerbricht,
Ein Traum, der haltet nicht.
Der Mensch ist bald hübsch und rot,
Auch bald darauf bleich und tot.
Der Mensch ist ein kurzer Lautenklang,
Aber auch bald Sterbegesang.
Der Mensch ist alles Unglücks Spiel
Und aller Not gemeinsam Ziel.“

Abraham a Sancta Clara

Art:
Gedicht
Thema: Leben, Tod, Mensch, Humor
Quelle: Planetlyrik.de
(nach 1680)
Hintergrund


Zum Autor:
Der österreichische Prediger und Schriftsteller Abraham a Sancta Clara (1644–1709), auch bekannt als Johann Ulrich Megerle, stammte aus Österreich. Er diente am kaiserlichen Hof in Wien als katholischer Geistlicher und erlangte Bekanntheit durch seine drastische Sprache und volkstümliche Rhetorik. Um moralische Botschaften zu vermitteln, verwendete er Humor, Ironie und Übertreibung – häufig begleitet von starken Darstellungen von Tod, Vergänglichkeit und menschlicher Torheit. Seine Schriften, vor allem Predigten in poetischer Form, waren für ein breites Publikum konzipiert und verknüpften Frömmigkeit mit Kritik an der Gesellschaft..

Interpretation: Dieses Gedicht präsentiert eine Darstellung der Vergänglichkeit des Menschen. Der Mensch ist wie ein Schaum, eine Blume, etc. – alles vergängliche und zerbrechliche Phänomene. Jeder Vers erhöht die Vergänglichkeit des Lebens – es vergeht alles Schöne, und der Mensch macht dabei keine Ausnahme. Die Sprache ist unkompliziert, eindrucksvoll, hat einen deutlichen Rhythmus und betont die Grundaussage durch Wiederholungen. Das Ganze erscheint jedoch auf eine morbide Weise auch bewusst oder unfreiwillig komisch.

Im Kontext der Zeit: Das Gedicht wurde im späten 17. Jahrhundert verfasst. Diese Zeit war geprägt von Kriegen, Seuchen (wie der Pest), Naturkatastrophen und politischer Instabilität. Die Auseinandersetzung mit dem Tod und der Vergänglichkeit war in diesem sozialen Umfeld nicht unüblich, sondern war ein integraler Bestandteil der religiösen und weltlichen Kommunikation. Die Darstellung der vermeintlichen Nichtigkeit des Irdischen war eine der verschiedenen Formen dieses Motivs, das in der Barockliteratur verwendet wurde. Abraham a Sancta Clara gehörte zu den bedeutenden Schriftsteller*innen dieser Gattung. Seine Texte waren religiöse Aufforderung und soziale Diagnose. Er versuchte, durch drastische Metaphern eine Leitlinie für das Leben zu schaffen – nicht durch Verklärung, sondern durch einen schonungslosen Umgang mit der Endlichkeit des Menschen. Dieses Gedicht veranschaulicht die barocke Weltanschauung: das Leben als Spielball des Schicksals, der Mensch als Ziel aller Schwierigkeiten – und der Tod als einzige Gewissheit.

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Tags:
Abraham a Sancta Clara Barock Bonmot Gedichte gutezitate gutezitate.net Literatur Zitat zitate
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Hans Magnus Enzensberger: „Die Seife“

  • By zitate
  • Apr.-28-2025
  • Absurd, Alltag, Aufopferung, Gedichte, gutezitate.net, Hans Magnus Enzensberger, Literatur, Seife, Sinne, zitat, Zitate
  • 0 Kommentare.

„Wie stolz sie war, wie üppig sie anfangs geduftet hat!
Durch wie viele Hände sie gegangen ist,
wie entsagungsvoll sie gedient hat.
Und immer von neuem war da der Dreck.
Unbefleckt ist sie geblieben.
Klaglos hat sie sich selber verzehrt.
So ist sie immer kleiner und kleiner geworden,
unmerklich, dünn, beinahe durchsichtig,
bis sie eines Morgens vollkommen
verschwunden war.

Hans Magnus Enzensberger

Art: Gedicht Themen: Alltag, Seife,
Aufopferung, Sinne
Quelle:
Faz.net
Hintergrund

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Zum Autor: Hans Magnus Enzensberger (1929–2022) war ein bedeutender deutscher Schriftsteller, Lyriker, Essayist und Herausgeber. Er galt als einer der einflussreichsten Intellektuellen der Nachkriegszeit in der Bundesrepublik und war bekannt für seine politische Wachsamkeit, seine sprachliche Präzision sowie seine kritische Haltung gegenüber ideologischer Vereinnahmung. Enzensberger war Mitbegründer der Zeitschrift „Kursbuch“ und prägte mit seinen Arbeiten das kulturelle und gesellschaftliche Leben in Deutschland über Jahrzehnte hinweg. Seine Texte verbinden häufig literarischen Anspruch mit politischem Engagement. Sein Werk umfasst Lyrik, Prosa, Hörspiele, politische Essays und Kinderbücher.
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Interpretation: Das Gedicht beschreibt den Lebensweg einer Seife – metaphorisch dargestellt als ein stilles, dienendes Wesen, das in Würde vergeht. Anfangs wird sie als stolz und wohlriechend beschrieben, doch mit der Zeit verliert sie an Substanz, wird beschmutzt, bleibt jedoch innerlich rein. Vermittelt wird ein Bild von Aufopferung, Reinheit und Beständigkeit in einer schmutzigen, fordernden Welt. Der Dreck kann auch als ironische Anspielung gesehen werden an Spießigkeit und Reinlichkeitswahn als vermeintlich typisch deutsche „Tugenden“. Auch christliche bzw. religiöse Motive von Askese und Selbstaufgabe lassen sich hineindeuten. Enzensberger verzichtet auf Pathos, aber ist überaus ironisch, wenn er einem solch profanen Alltagsgegenstand ein solches Gedicht in allem Ernst und aller Hingabe schreibt.
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Im Kontext der Zeit: Das Gedicht ist typisch für Enzensbergers feinsinnige, gesellschaftlich grundierte Dichtung der späten Nachkriegszeit und der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In einer Ära, die von politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen geprägt war, richtet er den Blick auf das Unspektakuläre, das Übersehene: die Seife als Symbol für Bescheidenheit oder Banalität. In Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs und wachsender Ich-Bezogenheit wirkt diese Darstellung wie eine Mahnung an „alte“ Werte wie Hingabe, und Würde, ohne diese Betonung der Werte allzu ernst zu nehmen. Zugleich lässt sich dieser Gegenstand als Sinnbild für jene Menschen deuten, die im Schatten der Geschichte wirken – unbeachtet, doch essenziell. Vielleicht ist er selber gemeint (?). Das Gedicht spiegelt somit auch eine Form von Kritik an einer Gesellschaft, die den leisen Wert des Dienens oft nicht mehr zu schätzen weiß. Es passt in Enzensbergers Gesamtwerk, das sich immer wieder mit den kleinen, übersehenen Existenzen auseinandersetzt – mit klarer Sprache und hintersinniger Ironie.

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Tags:
Absurd Alltag Gedichte gutezitate.net Hans Magnus Enzensberger Literatur Sinne Zitat zitate
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